Auf dem Dachboden des Museums Elbinsel Wilhelmsburg wurde im Jahr 2012 in einer hölzernen Truhe eine beschriftete Mappe gefunden, die eine Sammlung von 353 historischen Kinderzeichnungen aus den frühen Jahren des Ersten Weltkrieges enthielt. Diese fast verlorene und bis zu diesem Zufallsfund gänzlich vergessene Sammlung wird nun mit dem kulturellen Bewusstsein des 21. Jahrhunderts wahrgenommen und erforscht.
Auf den ersten Blick entsteht aufgrund der Lebendigkeit der gezeichneten Szenerien der Anschein, dass die Kinder die Geschehnisse des Kriegs am eigenen Leib erfuhren und die Bombardements spürten, obwohl sie fernab von der Front lebten. Hierbei war das kindliche Bestreben vorwiegend an den inhaltlichen Darstellungsformen und weniger an der Komposition selbst interessiert. Die einzigartigen, authentischen Dokumente sind wichtige Ausdrucksformen für die Wahrnehmung des damaligen Lebens, spiegeln darüber hinaus ein differenziertes Spektrum des Kriegsschulsystems und indoktrinierter Lehrziele der Propagandabestrebungen wider.