Die Texte von Herta Müller sprengen tradierte literaturwissenschaftliche Vorstellungen über die deutsche Literatur im allgemeinen und die sogenannte Minderheiten- bzw. Migrantenliteratur im besonderen. Die Untersuchung, die sich z.T. auf bereits veröffentlichte, aber nicht immer leicht zugängliche Publikationen stützt, liefert dank feministischer und kulturwissenschaftlicher Theorieansätze neue Gesichtspunkte zum Werk der ‚rumäniendeutschen‘ Autorin. Müllers Arbeiten stehen im Zeichen des „Fremden Blicks“ und entwickeln Konzepte einer geschlechtsspezifischen multidimensionalen Identität, Kultur und Sprache innerhalb der wechselseitigen Wahrnehmung von Minderheit(en) und Mehrheit in der deutschen Gesellschaft. Auf die kulturelle Konstellation der Gegenwart, die die Frage nach dem Verhältnis von Medien und Medialität bzw. nach der Möglichkeit von sinnlicher Wahrnehmung, authentischer Erfahrung und ihrer Darstellbarkeit aufwirft, reagiert die Autorin mit einer Poetologie der „erfundenen Wahrnehmung“, welche Literatur in ihrer Materialität bzw. Medialität reflektiert und in ihrem performativen Potential erkundet.