Wer mit einer Käthe-Kruse-Puppe gespielt hat, heute einen Audi fährt, Kaiser-Backformen in den Ofen schiebt, dem Kuchen einen echten Stonsdorfer folgen lässt und sich anschließend mit Odol den Mund spült, benutzt Produkte von Firmen, die ursprüglich im Osten ansässig waren und nach 1945 in den Westen übersiedelten.

Fast 17 Millionen Menschen verloren nach dem Zweiten Weltkrieg durch Flucht und Vertreibung ihre Heimat in den bis dahin deutschen Ostgebieten sowie ihren Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa. Als 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde, lebten etwa 10 Millionen von ihnen in der Bundesrepublik und stellen ein Fünftel der westdeutschen Bewölkerung.

"Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder" beleuchtet ihren Beitrag zum Wiederaufbau. Im Mittelpunkt stehen die Flüchtlinge und Vertriebenen, die in die nordrhein-westfälischen Industrien zuwanderten und dort als Arbeitnehmer fehlende Arbeitskräfte ersetzten oder als Unternehmer neue Industriezweige ansiedelten, einheimische Produktpaletten erweiterten und lokale oder regionale Wirtschaftsstrukturen verbesserten. 40 Lebensgeschichten verdeutlichen am konkreten Beispiel, wie sich die Zuwanderer im Westen einlebten und gemeinsam mit den Einheimischen den oft schwierigen Neuanfang bewältigten.