Die Karnevalisierung im Sinne Bachtins kennzeichnet nicht erst die französische Spätaufklärung, sondern sie ist dem Projekt der Aufklärung als selbstreflexive Bewegung von Anfang an eingeschrieben. Der Rekurs auf die karnevaleske Tradition in zentralen Texten der französischen Aufklärung ist nicht etwa ein literarischer Reflex auf eine Marginalisierung der Karnevalskultur, sondern eine literarische Antwort auf das Bewußtsein um den Verlust eines metaphysisch verbürgten Weltbildes und die fehlende Verfügbarkeit neuer Alternativen.