Angaben aus der Verlagsmeldung

Eherechtsdiskurse : Studien zu "König Rother", "Partonopier und Meliur", "Arabel", "Der guote Gêrhard", "Der Ring" / von Monika Schulz


Ziel der interdisziplinär arbeitenden Untersuchung ist die Dekodierung teilweise hochkomplexer Eherechtsdiskurse am Beispiel ausgewählter Erzähltexte vom 12. bis zum 15. Jh. Die einzelnen ‚Fallstudien’ setzen jeweils am Schnittpunkt von epischem Strukturmuster und kulturellen Semantiken an. Zum einen wird gezeigt, dass das prominente Erzählschema der gefährlichen Brautwerbung nicht eine inhaltsleere Szenenkonvention ist, sondern basales kulturelles Wissen verarbeitet, das auf die Verweigerung der Braut auf seiten der Brautsippe in segmentären Gesellschaften zurückgeht und Filiationsnormen verhandelt. Zum anderen wird nachgewiesen, dass das unterschiedlichen sozialen Ordnungen und kulturellen Sinn- und Wertsystemen zugehörige literarische Strukturmuster Träger ausgesprochen komplexer eherechtlicher Diskurse sein kann, die das zähe Ringen zwischen dem sich etablierenden kanonischen Recht und dem althergebrachten Eherecht vom 12. Jh. bis zum Tridentinum notieren. Zu den hier verhandelten Positionen gehören vor allem die sogenannte ‚heimliche Ehe’, die Frage der Gültigkeit bzw. Lösbarkeit, das Ehebewilligungsrecht, die Entführung bzw. der Raub der Braut sowie der Inzest.