Angaben aus der Verlagsmeldung

Digitale Form


Mit dem Begriff der "Form" ist ein stofflich-materieller Charakter verbunden, der für den Bereich der Digitalität hinsichtlich der Beziehung von Materialität und Immaterialität neu zu bestimmen ist. Der Band soll den Artefakt-Charakter von Hardware ebenso diskutieren wie den Formgebungscharakter des Programmierens und die Probleme der Ästhetik von Software.

Die Bildwelten des Computers wurden mit dem Boom der digitalen Vernetzung in den neunziger Jahren vornehmlich unter dem Gesichtspunkt ihres Illusionspotenzials diskutiert. Geprägt von der Faszination für die vermeintlich neuen "Virtuellen Welten", richtete sich das Interesse vor allem auf den Scheincharakter digitaler Ästhetik.

Mit der Kritik elektronischer Bildformen war zugleich eine Aufwertung des Auges verbunden, welches sich seine künstliche Umwelt konstruiert. Diese Privilegierung des Auges hat die ältere und komplexere Einsicht zurückgedrängt, dass sich alles sehende Erkennen im Zuge einer körperlichen Gesamtmotorik ergibt, die im Zusammenwirken von Haptik und Optik, körperlicher Berührung und distanzierter Betrachtung geschieht. Instrument und Metapher dieses Sachverhalts ist die schreibende und zeichnende, gestaltende Hand.

Den inzwischen verblassten Utopien der Bildlichkeit neuer Medien stellt der neue Band des Jahrbuches "Bildwelten des Wissens" die Frage nach den spezifischen Eigenschaften digitaler Formerzeugung gegenüber, die sich im Zusammenspiel von Auge und Hand und in der Verbindung von Soft- und Hardware manifestiert. Damit werden die Entstehungsbedingungen digitaler Bildformen ins Zentrum gerückt, wie sie sich gerade im alltäglichen Umgang mit dem Computer als Bildwerkzeug ergeben, z. B. im architektonischen Entwurf oder in der Visualisierung mathematischer Formeln. Digitale und analoge Praktiken stehen sich dabei nicht oppositionell gegenüber, sondern ergänzen sich als Teile des Entwurfs-, Denk- und Experimentierprozesses.

Mit dem Begriff der "Form" ist ein stofflich-materieller Charakter verbunden, der für den Bereich der Digitalität hinsichtlich der Beziehung von Materialität und Immaterialität neu zu bestimmen ist. Der Band soll den Artefakt-Charakter von Hardware ebenso diskutieren wie den Formgebungscharakter des Programmierens und die Probleme der Ästhetik von Software. Indem die Spezifik digitaler Ästhetik weniger am Abstraktum ?Bild', sondern am Konkretem ?Form' untersucht wird, versteht sich der Band auch als programmatischer Beitrag, ?Form' als zentrale Kategorie und Methode einer phänomenbezogenen Wissenschaft vom Bild zu akzentuieren.