Angaben aus der Verlagsmeldung

Haubitz + Zoche. Sinai Hotels / von Sabine Haubitz, Stefanie Zoche


Zwischen 2002 und 2005 fotografierte das Münchner Künstlerduo Haubitz + Zoche zahlreiche, unvollendet gebliebene Luxushotel-Anlagen entlang der Meeresküste der ägyptischen Sinai Halbinsel. Die Ursachen für den Baustopp der Hotelressorts sind vielfältig, reichen von Fehlinvestition über Veruntreuung staatlicher Subventionskredite bis hin zum Rückgang des Tourismus aufgrund der Verunsicherung durch Terroranschläge. Von ihrer beabsichtigten Pracht zeugen allein noch die verheißungsvollen Namen „Sultan’s Palace“, „Sindbad“, „Sunestra“ oder „Magic Life Imperial“, Bezeichnungen die Urlaubsglück mit orientalischem Flair suggerieren.
Haubitz + Zoche haben diese Investitionsruinen isoliert als Bauskulpturen vor dem Hintergrund einer menschenleeren Berg- und Wüstenlandschaft abgebildet. Die streng komponierten Fotografien lassen die Bauwerke wie Architekturmodelle erscheinen, deren purifizierte, von allem Dekor befreite Formensprache die funktionale Planung sichtbar macht.
Der globale Massentourismus findet in diesem Formenschatz der Weltarchitektur, der von der chinesischen Pagode, dem antiken Tempel bis zur europäischen Moderne reicht, seine Entsprechung. Diese „nationalen“ Architekturzitate bieten so etwas wie eine vorübergehende Heimat und Identität für den durchreisenden Bade- und Kulturtouristen.
In den Fotografien der unfertigen Hotelanlagen werden die Strategien und Mechanismen deutlich erkennbar, mit denen touristische Traumwelten heutzutage inszeniert werden. „Sinai Hotels“ steht exemplarisch für eine Entwicklung des globalen Tourismus, bei dem die Reiseziele eine fast willkürliche Austauschbarkeit bekommen und eine urbanistische Signifikanz eingebüßt haben.
Die beiden deutschen Künstlerinnen Sabine Haubitz und Stefanie Zoche leben und arbeiten in München. Gemeinsame Künstlerische Arbeit seit 1998.
Einleitung von Ulrich Pohlmann;
"Sun, Sand and Architecture, SINAI HOTELS im Kontext touristischer Sehnsuchtsproduktion" von Michael Zinganel;
"Die Welt als Bühne" von Stephan Berg