Angaben aus der Verlagsmeldung

Psychiatrische Begutachtung in Sexualstrafverfahren : Eine empirische Untersuchung von Gutachten zur Schuldfähigkeit bei jugendlichen, heranwachsenden und erwachsenen Beschuldigten in Mecklenburg-Vorpommern


Immer wieder gelangen Sexualstraftäter in die Schlagzeilen. Rufe nach brachialen Strafen werden laut, Politiker lassen sich zu populistischen Äußerungen hinreißen, Gesetzesänderungen sollen zum Schutz und Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beitragen. Kontroverse Diskussionen entfachen sich insbesondere an der Rolle der psychiatrischen oder psychologischen Sachverständigen in den Strafverfahren gegen mutmaßliche Sexualstraftäter. Gerade in Bezug auf die angedeuteten Probleme im Gutachterwesen kann eine Diskussion nur dann legitim geführt werden, wenn die tatsächlichen Verhältnisse und Zustände hinreichend bekannt sind. Dazu können insbesondere empirische Untersuchungen über die Praxis der Beteiligung von psychiatrischen und psychologischen Sachverständigen in Strafverfahren einen wertvollen Beitrag liefern.
Diese Untersuchung stellt den zweiten Teil des vom Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern geförderten Modellprojektes „Bestandsaufnahme und Qualitätssicherung der forensisch-psychiatrischen Gutachtertätigkeit in Mecklenburg-Vorpommern“ dar. Die Untersuchungsstichprobe umfaßte 864 Strafakten, in denen insgesamt 171 psychiatrische bzw. psychologische Gutachten enthalten waren. Mittels einer spezifischen Qualitätsanalyse der schriftlichen psychiatrischen oder psychologischen Gutachten sollen Aussagen darüber ermöglicht werden, ob die Gutachten eine hinreichende Qualität besitzen, um als Grundlage für gerichtliche Entscheidungen dienen zu können. Neben der Überprüfung der Gutachten anhand allgemein akzeptierter Minimalstandards wird ein besonderes Augenmerk auf die Erhebung der Sexualanamnese gelegt. Darüber hinaus war von besonderem Interesse, welche Qualität die prognostischen Äußerungen der Gutachter im Rahmen der Stellungnahmen zur Frage der Einweisung in den Maßregelvollzug haben. In die Untersuchung einbezogen wurden die gerichtlichen Entscheidungen. Die erstinstanzlichen Urteile wurden daraufhin untersucht, inwiefern die gutachterlichen Ausführungen berücksichtigt wurden und ob sich ein Einfluß der Stellungnahmen der Sachverständigen auf die gerichtlichen Entscheidungen feststellen läßt.