Angaben aus der Verlagsmeldung

Der späte Schumann


Wer vom Spätwerk Robert Schumanns spricht, macht sich verdächtig. Zum einen lässt das Lebensalter allein die Rede vom Spätwerk problematisch erscheinen. Robert Schumann starb am 29. Juli 1856 im Alter von 46 Jahren, also in mittleren Jahren und für unsere Lebensverhältnisse relativ früh. Zum anderen läuft man Gefahr, Schumanns Spätwerk vor der Folie seiner Geisteskrankheit vorzuverurteilen, indem man das Spätwerk als psychopathologischen Reflex seiner letzten Lebens- und Leidensjahre begreift und damit einer überkommenen Musikästhetik aufsitzt. Diese Musikästhetik begriff Schumanns Geisteskrankheit als lebendigen Beweis einer dekadenten, schwachen Geisteshaltung und nannte sie im philosophischen Rückgriff auf Hegel „subjektivistisch“ und „romantisch“.
Von diesen Vorurteilen ist Schumanns Spätwerk nur zu befreien durch eine differenzierte Sicht auf das Leben und das Werk. Diese liefert der vorliegende Sonderband der Reihe „Musik-Konzepte“ auf der editionsphilologischen Grundlage der Robert-Schumann-Ausgabe in Form von Analysen und Interpretationen, etwa der Sechs Gesänge op. 107 oder der Phantasiestücke op. 111. Zugleich runden musikästhetische und -historische Aufsätze, die z.T. auch Bezüge zu anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts, aber auch der Gegenwart herstellen, den Band ab.