Angaben aus der Verlagsmeldung

Juden in Schwarzburg – Festschrift zu Ehren Prof. Philipp Heidenheims (1814–1906), Rabbiner in Sondershausen, anlässlich seines 100. Todestages : Beiträge zur Geschichte der Juden Schwarzburgs /Der jüdische Friedhof von Sondershausen


In Band 1 der Festschrift für den vor 100 Jahren in Sondershausen verstorbenen Rabbiner Prof. Philipp Heidenheim, der jüdische Gemeinden beider Schwarzburger Landesteile betreute und in ihrem Streben nach bürgerlicher Emanzipation und gesellschaftlicher Integration lenkte und förderte, wurden erstmals neuere Forschungen zu verschiedenen Aspekten jüdischen Lebens in Schwarzburg zusammengefasst.
Schon im Mittelalter lebten Juden in den Territorien der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg. Nach den Pestpogromen von 1349 waren sie für lange Zeit nur in wenigen Orten geduldet. Erst vom Ende des 17. Jahrhunderts an konnten sich jüdische Gemeinden, teils im Umfeld der fürstlichen Residenzen wie Sondershausen, Arnstadt und Rudolstadt, teils in kleineren Städten und ländlichen Regionen wie Immenrode, Frankenhausen und Plaue, dauerhaft etablieren.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein besaßen die Juden der Fürstentümer Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt den Status von »Schutzbürgern« und waren einer diskriminierenden Sondergesetzgebung unterworfen, ehe sie im Prozess einer langwierigen Gesetzesreform schrittweise die vollen Bürgerrechte erlangten. Keine der schwarzburgischen Gemeinden hat den Holocaust überdauert.

Als eines der letzten sichtbaren Zeugnisse jahrhundertealten jüdischen Lebens in Sondershausen versteckt sich im Wald oberhalb der Stadt, am Hang des Göldners, der Friedhof der hiesigen jüdischen Gemeinde.
250 Jahre Geschichte der Sondershäuser Juden birgt dieser Ort, von seiner Anlage im Jahr 1699 bis zur Vertreibung und Vernichtung auch dieser Gemeinde im 20. Jahrhundert. An die 200 Grabstellen, Grabsteine und Grabsteinfragmente künden noch heute von längst vergangenen Zeiten, obwohl auch hier Verwitterung ebenso wie Vandalismus bis in die jüngste Zeit deutliche Spuren hinterlassen haben und lang nicht mehr jedes Grab von einem Grabstein gekennzeichnet wird.
Mehr noch als ins Leben und Sterben Einzelner geben uns diese Grabsteine und ihre Inschriften einen Einblick in das Denken und Streben einer ganzen Gesellschaft zwischen Tradition und Akkulturation, Judentum und Bürgertum.
In Band 2 der Publikation wurde der Versuch unternommen, die alten Denkzeichen zu lesen und zu deuten und sie durch Übersetzung und ausführlichen Kommentar einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, auf dass das Andenken an die »Heilige Gemeinde Sondershausen« bewahrt bleibe.