Angaben aus der Verlagsmeldung

Essen : Eine Kulturgeschichte des Geschmacks


Die kulinarischen Welten ganz verschiedener Zivilisationen der Vergangenheit und Gegenwart lernt der Leser in diesem reich bebilderten Band kennen. Dabei spielen die Grundfragen von Nahrung und Überleben eine wesentliche Rolle, aber auch die Gaumenfreuden derer, die das Glück hatten, auswählen zu können. Das Interesse gilt der Geschichte des Geschmacks: Wie Menschen über Essen dachten und denken – über Zutaten, Zubereitung und Darbietung. Wie sich Vorlieben und kulinarische Prinzipien unterscheiden. Und was sich daraus rückschließen lässt auf die verschiedenen Gesellschaften. Welche Einflüsse prägend waren, ja vielleicht globale Trends setzten.
Zwei Themen ziehen sich quer durch alle Kapitel. Das erste betrifft Ernährung und Gesundheit – ein wiederkehrendes Leitmotiv sind hier die Gefahren übermäßigen Essens und des womöglich schädlichen Genusses bestimmter Lebensmittel. Das zweite ist der Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Status und Ernährung. Das mittelalterliche Europa hatte beispielsweise einen ausgeklügelten Kodex, der festlegte, welche Speisen welchem Stand angemessen waren. Menge, Vielfalt und Kostbarkeit kennzeichneten die Speisen, die den höchsten Grad an gesellschaftlichem Prestige symbolisierten. Die Maßlosigkeit der Bewirtung des chinesischen Kaisers Qianlong, etwa das in Kapitel 3 beschriebene Frühstücksmenü von 1779, mag grotesk wirken, das gilt aber auch für den normalen Speiseplan der europäischen und islamischen Prominenz im Mittelalter sowie die russische und britische Bourgeoisie des 19. Jahrhunderts. Heute sind verschiedene Geschmäcker eher Ausdruck der Individualität und nicht mehr bloßer Etikette. Und dennoch drängt sich der Zusammenhang zwischen Ernährung und sozialem Rang nach wie vor auf. Seinen Status definiert man heute etwa über den Zugang zu gewissen Qualitätsklassen einst ganz gewöhnlicher Produkte (Stichwort: Bioprodukte und Slow Food): Sag mir, was du isst und ich sag dir, wer du bist.