Friedrich Gundolf und Ernst Bertram widmen 1916 und 1918 zwei "großen Vertretern der Menschheit" und gewissermaßen komplementären Gestalten der deutschen Geistesgeschichte (André Gide) zwei ebenso aufsehenerregende wie exemplarische Monographien: Goethe und Nietzsche. Im Zeichen des "Mythos" und der "Legende" liefern die Literaturhistoriker eine symbolische Deutung von Leben und Werk der beiden Denker, aus der das Selbstverständnis und die Identitätssuche einer Epoche lesbar werden.
Gegenstand der neuerlichen gemeinsamen Lektüre dieser Studien ist die Herausarbeitung der philosophisch-kulturellen Grundlagen von Gundolfs und Bertrams Mythos-Begriff sowie der Intention und Voraussetzungen, Verfahren und Resultate einer neuen Art literarischer Porträtkunst. Dabei wird auch das sichtbar, was an diesen Darstellungen weiterhin als modern gelten kann.
Ein Anhang beleuchtet die Rezeption der beiden Bücher in Italien, deren Erscheinen unter namhaften Denkern und Literaturhistorikern lebhafte Debatten und fruchtbare Reflexionen auslöste.