Wie lässt sich auf spannende Art und Weise vom Alltag erzählen, wenn dieser doch gerade dadurch gekennzeichnet ist, dass nichts Spektakuläres geschieht? Richtet man den Blick auf die Konstruktion ungewöhnlicher Raum- und Zeitverhältnisse, die Inszenierung des Körpers und die Wahrnehmung bestimmter Alltagsgegenstände, dann wird aus der scheinbaren Banalität des Alltags ein erzählenswertes Projekt. Dieses Buch entwirft eine komparatistisch und interdisziplinär angelegte Poetik der Alltäglichkeit, die sich als eine Poetik des Bruchs und der Grenzüberschreitung versteht. Ausgehend von philosophischen, mythologischen und literaturtheoretischen Perspektiven auf das Thema Alltag wird ein Analyse-Instrumentarium entwickelt, das es erlaubt, die Dimensionen des Alltäglichen neben der inhaltlichen Ebene vor allem in erzähltechnischer, rhetorischer und stilistischer Hinsicht nachzuvollziehen. Im Mittelpunkt der Analysen steht die Erzählprosa von Marieluise Fleißer, Madeleine Bourdouxhe und Natalia Ginzburg, in der beispielsweise Kleidungsstücke, Küchenutensilien oder Früchte ein regelrechtes Eigenleben entfalten. Hier erscheint der Alltag als ein schillerndes, abgründiges und äußerst ambivalentes Phänomen, das die herkömmlichen Vorstellungen von Alltäglichkeit ins Wanken bringt.