Angaben aus der Verlagsmeldung

"Mit reinem Gewissen" : Wehrmachtrichter in der Bundesrepublik und ihre Opfer


Die Beiträge rücken ins Bewusststein, in welchem Ausmaß durch die Reintegration ehemaliger Wehrmachtjuristen wie Erich Schwinge, Hans Filbinger und Ernst Mantel und Werner Massengeil in der Bundesrepublik das Recht ausgehöhlt, der Austausch belasteter Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung verhindert und die Herausbildung einer demokratischen Gesellschaft eingeschränkt wurde. Weil ihre Selbstrechtfertigungen von der Justiz und der Gesellschaft weitgehend akzeptiert wurden, konnten sie als Richter, Staatsanwälte und Beamte (zum Teil in höchsten Rängen) oder als Dozenten Gesetzgebung, Rechtsprechung, Ausbildung von Juristen sowie Verwaltung und Politik in der Bundesrepublik beeinflussen, z. B. die Amnestie von NS-Schreibtischtätern durchsetzen, den Widerstand gegen den NS-Staat delegitimierten, die Rehabilitierung der Militärjustizopfer in Frage stellen und die politische Aufarbeitung der NS-Verbrechen blockieren. In den 90er-Jahren legten zwar Vertreter einer nachrückenden Juristengeneration vor dem Bundesgerichtshof und dem Bundesverwaltungsgericht die »späte Beichte« ab, dass ihre Vorgänger zum Teil wegen Rechtsbeugung hätten verfolgt werden müssen. Dies ändert aber nichts an der fatalen Wirkung der kaum eingeschränkten Kontinuität des Justizapparats der Wehrmacht des Dritten Reichs.