Die sozialgeschichtliche Hermeneutik der Darstellung des Menschen im Markusevangelium und deren Ergänzung durch sozialwissenschaftliche Perspektiven eröffnen verschiedene Fassetten der menschlichen Existenz, vor allem mit dem Fokus auf bestimmte Handlungslogiken: unkritisches Festhalten an etablierten Handlungs- und Durchsetzungsformen, Streben nach Macht, Einfluss und sozialem Status, Egozentrismus und das Streben nach Sicherheit. Das Verstehen des Weges Jesu, wie am Beispiel der Jünger verdeutlicht, eröffnet einen neuen Blick auf die Beziehung zwischen Menschen, der auch für die Pflege Bedeutung besitzt. Speziell das mit der Christusdarstellung verbundene Motiv des ‚Dienermodells‘ ermöglicht wichtige Bezüge auf das pflegerische Ethos. So bedeutet das ‚Dienen‘ als Merkmal pflegerischen Handelns, dieses an den moralischen Prinzipien des ‚Dienermodells‘ auszurichten, um so die Handlungsfähigkeit des hilfebedürftigen Menschen eingebettet in seiner sozialen Umwelt, zu stärken. Die Analysehilft mit dem Bild des Menschen im Markusevangelium, neue Perspektiven auf das pflegerische Selbstverständnis und das professionalisierte Pflegehandeln zu eröffnen.