Die Untersuchung geht der Frage nach der Kontinuität diskursiver Versatzstücke der Romantik nach. Zentral für die italienische Einigungsbewegung (dem Risorgimento) ist dabei das Konzept patria (dt.: das Vaterland). Als langzeithistorischer Terminus erfährt patria während des 19. Jahrhunderts im engen Zusammenspiel mit dem romanticismo eine Konjunkturphase und wird innovativ in die literarische Produktion eingebunden.
Ausgehend von der Annahme, dass der romantisch geprägte Terminus patria nach der nationalstaatlichen Einigung 1861 nicht getilgt wird, sondern als ideengeschichtliches Kontinuum weiter wirksam bleibt, ergeben sich im Zuge der Analysen rezenterer Werke zwei unterschiedliche Modi der Rekurrenz auf den tradierten patria-Begriff: Entweder wird patria als positiv besetztes Konzept ausgestellt oder dagegen als eine historisch überkommene Idee, die destruktiv wirkt.
Die Arbeit zeigt, dass das Phänomen einer kollektiven Selbstvergewisserung in Italien kein ephemeres historisches Phänomen darstellt, sondern vielmehr bis in die Gegenwart andauert. Die Romantik hat dies insofern begünstigt, als sie die Literatur zu einer Projektionsfläche für die Artikulation der Vaterlands- und Heimat-Erzählungen erhoben hat. Auch im 20. und im 21. Jahrhundert bleibt die Frage nach der italienischen Einheit – entlang historischer Umbrüche – literarisch von Belang