Der Klassiker Friedrich Schiller gehört etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich zum schulischen Kanon, keineswegs gleichbleibend jedoch waren die Begründungen für seine didaktische Wertschätzung und das Ausmaß seiner Beliebtheit bei Schülerinnen und Schülern. Und wenn auch nicht sein Werk als Ganzes, so waren doch einzelne Werke und Werkteile einem wechselvollen Prozess von Kanonisierung und Dekanonisierung unterworfen.
Anders als die außerschulische Rezeption, die vor allem in literaturhistorischer Sicht gut erforscht ist, hat der Verlauf der schulischen Rezeption Schillers in der didaktischen Forschung bisher nur mäßiges Interesse gefunden. An dieser Forschungslücke setzt die vorliegende Untersuchung an. Durch die Rekonstruktion der schulischen Rezeption Schillers, schwerpunktmäßig jener in der Bundesrepublik Deutschland von 1945 bis heute, zielt sie auf detaillierte Erkenntnisse über Schillers Rang im Kanon des Literaturunterrichts sowie auf Aufschluss über die Kriterien bei der Auswahl und Vermittlung seiner Werke. Die historische Aufarbeitung, die sich wesentlich auf Analysen von Lehrplänen, Lesebüchern, Werkeditionen und Lektürehilfen für Lehrer und Schüler stützt, wird in synchroner Perspektive um die Analyse gegenwärtiger Bedingungen schulischer Schiller-Rezeption ergänzt. Erforscht wird mittels einer empirischen Erhebung das Wissen von Schülerinnen und Schülern über Schiller und seine Werke, untersucht wird, mit Blick auf die Lehrerausbildung, die Relevanz von Schillers Werken in der universitären Lehre und gefragt wird nach deren Stellenwert in der aktuellen Kanondiskussion sowie in Abituraufgaben.
Spätestens hier wird deutlich, dass die Erforschung der schulischen Rezeption Schillers kein Selbstzweck ist, vielmehr als Argumentationsbasis dient für die gesellschaftliche Bildungsdiskussion im Allgemeinen und für gegenwärtiges prospektives literaturdidaktisches Handeln im Besonderen. Die Studie endet daher mit einem Ausblick auf motivierende Zugänge zu Werk und Leben Friedrich Schillers