Angaben aus der Verlagsmeldung

Grenzen überschreitende Derwische : Kulturbeziehungen des Bektaschi-Ordens 1826–1925 / von Cem Kara



Die Arbeit untersucht am Beispiel der Derwische des Bektaschi-Ordens Kulturbeziehungen im Osmanischen Reich des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. ‚Mystische‘ Derwisch-Orden prägten die religiös-kulturelle sowie sozio-politische Geschichte des Osmanischen Reichs über dessen gesamtes Bestehen hinweg und standen mit anderen Kulturen in vielseitigen Wechselbeziehungen. Die vorliegende Studie rekonstruiert anhand der Geschichte der Bektaschi-Derwische sowohl innerhalb als auch außerhalb der Grenzen des Osmanischen Reichs verschiedene Formen von Kulturkontakten, Kulturtransfer und zwischenkulturellen Wahrnehmungen.


Während die Kulturbeziehungen der Bektaschis mit Nicht-Muslimen bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert größtenteils von Ambiguitätstoleranz und Inklusion zeugten, wandelten sich diese im Zuge konfessionell gefärbter Nationalismen tendenziell zu exklusiven und konfliktbeladenen Spannungen. Zeitgleich wurden innerkonfessionelle Unterschiede innerhalb des Islams zugunsten einer islamischen Einheit zunehmend verwischt.


Darüber hinaus hatten verschiedene Kulturtransfers zur Folge, dass sich Lehre, Ritus und vor allem das Selbstbild der Bektaschis über ihre Religion durch die Kulturbeziehungen veränderten. So flossen maßgeblich Elemente der Fremdwahrnehmung durch ‚westliche‘ Autorinnen und Autoren in das religiöse Selbstverständnis der Bektaschis ein. Doch lassen sich im Gegenzug auch Einflüsse des Bektaschitums in Westeuropa und vor allem in Nordamerika, etwa bei diversen Freimaurer-Bewegungen, ausmachen.