Nach dem Grimm`schen Wörterbuch sind Seeräuber »diejenigen, welche auf der see fremden eigenthums sich mit gewalt bemächtigen, um sich zu bereichern, ohne eine vollmacht zu dieser bemächtigung von irgend einem staate zu haben«. Piraten, Corsaren und in gewissem Maße Freibeuter sind andere synonyme Wendungen, die allesamt eine Gegenwelt markieren, eine Welt der Freiheit, der Verwegenheit, der Abenteuerlust. Sie durchsegeln seit Jahrhunderten die Kinderzimmer mit all ihren Träumen, füllen Bibliotheken und Kinosäle. Das Meer wird zum gesellschaftsfreien Raum, in den sich die Seeräuber-Jenny ebenso hinausphantasiert wie später all jene, die sich durch die »Konsumgesellschaft« einer »extremen Vereinheitlichung« unterworfen sehen wie P.P. Pasolini in seinen Freibeuterschriften. Die Piraterie-horen suchen all jene kritischen, romantischen, heterotopen Schiffsplanken und Inselstrände der Selbstermächtigung in der heutigen Welt auf und versammeln sie zu einer großen Verführung: »Ich wünsch` mich dahin zurück, wo`s nach vorne geht […] Wo wir sind, ist immer Libertatia« (Ja, Panik).

Mit Beiträgen von Michael Braun, Zora del Buono, Arian Leka, Andrej Nikolaidis, Jurica Pavicic, Thomas Scholz, Peter Wawerzinek, Alexander Weinstock u.a.m.