Angaben aus der Verlagsmeldung

Der bildungsindustrielle Komplex : Schule und Unterricht im Fadenkreuz des philanthropischen Kapitalismus / von Richard Münch


„Bildung“ ist das Mantra der „Wissensgesellschaft“ unserer Gegenwart. Durch bessere Bildung sollen die großen Probleme unserer Zeit gelöst werden. Die Schule soll alle aus wachsender sozialer, kultureller, religiöser und migrationsbedingter Heterogenität folgenden Verwerfungen, Ungleichheiten und Konflikte einer Gesellschaft auflösen, die sich zunehmend von den Extremen eines entfesselten Kapitalismus, eines elitären Kosmopolitismus, einer exzessiven Identitätspolitik und eines rückwärtsgewandten Nationalismus zerrissen sieht. Das ist die zentrale Agenda der Ablösung des Wohlfahrtsstaates durch den Wettbewerbsstaat. Die Schule wird dabei ins Zentrum intensivster Reformbemühungen gerückt.
Richard Münch unterzieht diese Reformagenda einer kritischen Analyse mit Fokus auf der Pionierrolle der USA. Im Mittelpunkt steht dabei die Ablösung des pädagogischen Establishments in den Schaltzentralen der Kultusbürokratie durch einen bildungsindustriellen Komplex, in dem internationale Organisationen, Think Tanks, Beratungsunternehmen, missionarische Milliardärsstiftungen, Bildungsreformer und Bildungsforscher mit der Bildungs- und Testindustrie zusammenwirken, um den schulischen Bildungsprozess einer minutiösen externen Kontrolle zu unterwerfen. Im Fadenkreuz eines in diesem Kontext immer mächtiger werdenden philanthropischen Kapitalismus sehen sich Schule und Unterricht wachsenden Turbulenzen von einander jagenden Reformen ausgesetzt. Der Ertrag von gut dreißig Jahren Reformen im Hinblick auf die Zielsetzungen ist jedoch gleich null. Die Schule wird dabei zum Opfer eines eigenartigen Bündnisses systemfremder Interessen, verliert ihre genuine Leistungsfähigkeit in der Gestaltung des Bildungsprozesses und reproduziert nur die Probleme, die sie eigentlich lösen soll. Münch plädiert deshalb für ein grundsätzliches Umdenken, um die Schule in der Tradition der Aufklärung als zentralen Ort der Entfaltung des eigenständigen Verstandesgebrauchs zu retten.