Angaben aus der Verlagsmeldung

Antisemitismus und Volksstaat : Zur Pathologie kapitalistischer Krisenbewältigung / von Ulrich Enderwitz


Ist die Ermordung vieler Millionen Juden nur eine Ersatzhandlung? Sind Belzec und Sobibor nur Veranstaltungen zur verdrängungsförmig-bürokratischen Abfuhr von Spannungen, die aus der widersprüchlichen Konstitution des faschistischen Staatswesens resultieren? Ist in sofern die Rede vom Holocaust ein Euphemismus, weil sie die Vorstellung von einem spezifischen Opferzusammenhang, einem qualifiziert stellvertretenden Leiden und Tod in einem Kontext geltend macht, in dem der Tod als Massenmord nurmehr die naturkatastrophale Konsequenz eines im Bemühen um sein inneres Gleichgewicht ebenso projektiv wie ziellos um sich schlagenden Leviathans ist?

"Es ist die zentrale These dieses Esseys, daß im markanten Unterschied zum politisch-religiösen Sinn des Antijudaismus historischer Prägung der Antisemitismus europäischer Tradition eine wesentlich politisch-ökonomische Bedeutung hat und, dtatt wie der erstere Probleme zu thematisieren, die sich auf generelle Unterschiede der historisch-kulturellen Identität und der gesellschaftlich-politischen Perspektive beziehen, vielmehr Konflikte zum Ausdruck bringt, die ganz und gar in der spezifischen Entwicklung neuer ökonomischer Machtverhältnisse beziehungsweise sozialer Klassengegenensätze der nicht-jüdischen Gesellschaften selber gründen."

Die vorliegende zweite Auflage wurde um den Anhang "Der revolutionäre Staat: Das Paradox der bürgerlichen Gesellschaft" erweitert.