Angaben aus der Verlagsmeldung

Orient im Rampenlicht : Die Inszenierung des Anderen in Wien um 1900 / von Caroline Herfert


Im kulturellen Gedächtnis Österreichs ist Wien bis heute als ‚Bollwerk des Abendlandes‘ zur Abwehr der Türkenbelagerungen verankert. Doch nicht nur die Türkenkriege, jahrhundertelanger diplomatischer Austausch mit dem Osmanischen Reich, Handelsbeziehungen nach Osten und die habsburgische Orientpolitik prägten die Wahrnehmung des ‚Anderen‘ in Wien, sondern auch die allgemeine Begeisterung in Europa für alles Exotische.
Um 1900 offenbart sich die Stadt als reges Zentrum der europäischen Orientmode. Islamische Bauformen und Ornamente inspirierten Architektur und Kunsthandwerk. Sozial privilegierte Schichten frönten dem boomenden Orienttourismus, der mit der steigenden Nachfrage und dem zunehmenden Angebot von Orientmalerei und Reiseliteratur einherging. Die Orientalistik etablierte sich als Disziplin an der Universität. Menschenschauen und Reiseillusionen im Prater erfreuten sich ebenso großer Beliebtheit wie exotistische Opern, Ballette oder Dramen in den Hoftheatern. Gerade diese sinnliche Erfahrbarmachung von Orient im Theater fachte die Orientbegeisterung in Wien weiter an: Theater und Unterhaltung griffen auf, tradierten, popularisierten, affirmierten, parodierten oder variierten, was an faktischem Wissen, Meinungen, Motiven oder Klischees über den Orient in parallelen Diskursfeldern verhandelt wurde.
Orient im Rampenlicht nimmt die äußerst produktive, aber theaterhistoriographisch lange marginalisierte, routinemäßige Aufführungspraxis zwischen 1869 und 1918 in den Blick, um Theater und Unterhaltung als wirkmächtigen Bestandteil der Orientmode in Wien nachzuzeichnen und in Beziehung zum größeren Kontext des österreichischen Orientalismusdiskurses zu setzen.