Bei dem "Soldaten-Brevier" (so der äußere Tarntitel, das Heft war zwecks Vervollständigung der Tarnung mit schwarz-weiss-rotem Umschlag und dem Auszug einer Kaiserrede an Rekruten versehen) handelte es sich um eine deutsche Bearbeitung des französischen "Manuel du Soldat", das vom nationalen Kongreß der Arbeiterbörsen 1902 herausgegeben und binnen zwei Jahren in einer Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren verbreitet worden war. Diese Tarnschrift entblößte dann auf den zweiten Blick ihren revolutionären Inhalt, aufgrunddessen sie auch mehrfach Gegenstand polizeilicher Verfolgungen und Beschlagnahmungen war, die jedoch nicht den seinerzeit anonaym gebliebenen Verfasser belangen konnten.
Im Gegensatz zu späteren Friedensbewegungen - beispielsweise der 1980er Jahre - wurde mit diesem revolutionären Pamphlet der antimilitaristische Widerstand direkt in die Kasernen getragen, zudem in einer seither nicht mehr erreichten Konsequenz der Funktionskern der Militärapparate (Befehl, Gehorsam und Disziplin) offengelegt und angegriffen sowie nicht nur gegen die Rüstungsindustrie und Rüstungsexporte demonstriert, sondern ein Augenmerk auf jene gelegt, die diese Waffen erst produzieren: die Arbeiterinnen und Arbeiter der Rüstungsbetriebe..
Das Buch erschien in der von Ulrich Bröckling betreuten Ausgabe erstmals 1988 und wurde für diese Neuausgabe mit einem neuen Vorwort und einer überarbeiteten Einleitung versehen. Vor dem aktuellen Hintergrund der ausgerufenen "Kriegstüchtigkeit" ist es dieses Zeugnis vom „radikalen Geist des Ungehorsams und der Verweigerung“ (Ulrich Bröckling) heute wert, wieder in Erinnerung gerufen zu werden.