«Unrecht soll umkehren», steht in Stein gemeisselt über dem Haupteingang des Bezirksgerichts Zürich. Doch diese Aufforderung genügt für nachhaltige Konfliktlösungen nicht. Umkehren müssten oft die Spannungen zwischen den Konfliktparteien. Und das geschieht selten im Gerichtssaal. Deshalb entwickelte der Harvard-Professor Frank Sander bereits vor 50 Jahren die Idee eines «Multi-Door Courthouse», das nicht nur das Unrecht zur Umkehr zwingt, sondern den Konfliktparteien die Türen zu verschiedenen Konfliktlösungen öffnet. Ansätze für ein Multi-Door Courthouse wären im schweizerischen Rechtssystem durchaus vorhanden: Namentlich dürften Familiengerichte und Kindesschutzbehörden in Elternkonflikten externe Beratungen, Mediationen, Coachings oder Therapien anordnen – mithin die Konfliktlösung aus dem Gerichtssaal auslagern.