In Zeiten politischer Umbrüche und gesellschaftlicher Spannungen ist der Ruf nach Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde lauter denn je. Dieses Buch wagt den außergewöhnlichen Vergleich zwischen zwei Epochen, die auf den ersten Blick kaum miteinander verbunden scheinen, deren geistige und emotionale Energie jedoch verblüffend ähnliche Wurzeln hat: dem Arabischen Frühling und der deutschen Sturm-und-Drang-Bewegung des 18. Jahrhunderts.
Ausgehend vom Funken der Selbstverbrennung Mohamed Bouazizis, der eine Welle von Revolutionen im arabischen Raum auslöste, analysiert die Studie, wie sich der rebellische Geist dieser Zeit in der Literatur widerspiegelt – in der Wut über Unterdrückung, im Aufbegehren gegen Machtmissbrauch und in der Sehnsucht nach einem würdevollen Leben. Die Autorinnen und Autoren der arabischen Revolutionsliteratur stehen damit in einer überraschenden Nähe zu den jungen deutschen Dichtern des Sturm und Drang, die gegen gesellschaftliche Zwänge, Standesschranken und geistige Bevormundung kämpften.
Die Untersuchung bietet erstmals einen systematischen Vergleich beider Bewegungen und ihrer literarischen Ausdrucksformen. Sie beleuchtet Parallelen in Themen, Figuren und Motiven – von der Rebellion gegen Autoritäten über den Konflikt zwischen Ideal und Wirklichkeit bis zur existenziellen Melancholie des Scheiterns. Dabei werden Werke aus Tunesien, Ägypten und Syrien ebenso herangezogen wie klassische Dramen und Romane von Goethe, Schiller oder Lenz.
Diese Studie öffnet den Blick für die universal gültige Sprache des Aufbegehrens. Sie zeigt, dass Literatur, ob im 18. oder im 21. Jahrhundert, ein machtvolles Zeugnis menschlicher Sehnsucht nach Freiheit bleibt – und dass der Schrei nach Gerechtigkeit, einst in Weimar, heute in Tunis, Kairo oder Damaskus, dieselbe leidenschaftliche Stimme trägt.