„Der Moralische Kredit – Warum gute Taten uns böse machen“ untersucht den psychologischen Effekt des „Moral Licensing“. Studien zeigen ein paradoxes Phänomen: Wenn Menschen etwas tun, das sie für „gut“ halten (z.B. Sport treiben, Bio einkaufen oder spenden), neigen sie kurz darauf dazu, sich „schlechter“ zu verhalten (ungesund essen, egoistisch sein).

Die Psychologin Claudia Sommer erklärt den Mechanismus: Wir führen ein inneres Moralkonto. Eine gute Tat erzeugt ein Guthaben, das uns die Erlaubnis gibt, zu sündigen. Wer im Salat-Restaurant isst, wählt oft die kalorienreichste Beilage. Wer ein Hybridauto fährt, fährt oft weniger rücksichtsvoll.

Das Buch ist ein Spiegel für jeden, der glaubt, er habe sich seine Laster „verdient“. Es bietet Strategien, um diesen Selbstbetrug zu stoppen und Disziplin nicht als Tauschhandel, sondern als Identität zu begreifen. Es warnt davor, dass das Gefühl der eigenen Tugendhaftigkeit oft der größte Feind des echten Charakters ist.