Mit der Neuerscheinung „Hrotsvitha von Gandersheim – Sechs Dramen, ein Epos“ veröffentlicht Benno Löning ein Werk über eine der bedeutende historischen Frauenpersönlichkeiten des Mittelalters. Das Buch erschien im Verlag Klosterhof Brunshausen und versteht sich als zweiter Band einer Reihe über zentrale weibliche Gestalten der Geschichte Bad Gandersheims. Bereits 2022 war eine Publikation "Hathumod - ein Vita aus dem 9. Jahrhundert" erschienen.

Der nun vorliegende Band widmet sich der Kanonissin Hrotsvitha (um 935 – nach 973), die als erste namentlich bekannte Schriftstellerin deutscher Sprache gilt. Ihre sechs Dramen, verfasst in lateinischer Sprache, greifen Themen wie geistliche Berufung, Umkehr und innere Standhaftigkeit auf. Löning hat diese Texte – ergänzt um das historiographische Epos Über die Anfänge des Gandersheimer Klosters – in einer zeitgenössisch zugänglichen Form zusammengestellt. Damit sind die Dramen Hrotsvithas erstmals seit Langem wieder in Buchform erhältlich.

Die Ausgabe ist bewusst keine philologische Edition, sondern verfolgt einen persönlichen Zugang, der historische Tiefe mit heutiger Lesbarkeit verbindet. Unterstützt wird dieser Ansatz durch eine bildreiche Gestaltung: Farbige Reproduktionen historischer Holzschnitte von Albrecht Dürer – unter anderem aus der Apokalypse-Serie von 1498 und dem Marienleben von 1501 – ergänzen die Texte und verleihen dem Band eine zusätzliche ästhetische Dimension. Besonders bemerkenswert ist die Einbindung von Hrotsvithas selten beachteten 35 Hexametern zur Offenbarung des Johannes.

Das Buch richtet sich an eine interessierte Leserschaft, die sich für geistige Frauengeschichte, klösterliche Bildung und mittelalterliche Literatur interessiert – ohne dabei auf akademische Vorkenntnisse angewiesen zu sein. Gerade im Kontext von Bad Gandersheim, wo Hrotsvitha als Namensgeberin vielfach präsent ist, bietet diese Publikation eine wertvolle Gelegenheit zur Wiederbegegnung mit ihrem Werk.