Herman Anders Krüger, geboren im Jahr der Reichsgründung 1871, gestorben im Jahr des Zusammenbruchs 1945, war ein seinerzeit bekannter Schriftsteller und Hochschullehrer. Als Sohn eines Predigers der Herrnhuter Brüdergemeine ging er nach einer turbulenten Jugendzeit, in der er sich schwertat mit dem Pietismus des elterlichen Milieus, und nach abgeschlossenem Studium zunächst nach Italien, um dann nach seiner Promotion Bibliothekar in Dresden zu werden. Später war er Privatdozent und nach seiner Habilitation schließlich Professor für Literaturwissenschaft in Hannover. 1904 hatte er mit Gottfried Kämpfer – Ein Herrnhutischer Bubenroman seinen literarischen Durchbruch. Als Schriftsteller, Pädagoge und ab 1910 auch als liberaler Politiker angesehen geriet er anlässlich der Jahrhundertfeier der Völkerschlacht von Leipzig in Bedrängnis, als er in einer Rede das offizielle Gedenken kritisierte. Krüger gab seine Ämter auf und zog sich als freier Schriftsteller zurück.
Bei Kriegsausbruch 1914 aber meldete sich der fast 43-jährige Familienvater als Freiwilliger. Mit den Gräueln des Krieges wurde Krüger noch auf dem Bahntransport in Aachen konfrontiert, als die ersten schwerverwundeten Deutschen eintrafen. Nach Aufenthalt in Brüssel wurde sein Reserve-Ersatz-Regiment Nr. 4 dann in die Flandernschlacht geworfen und schließlich im Stellungskampf verwendet. Die Belastung war enorm und die Ausfälle hoch. Auch an Krüger ging die ständige Überbeanspruchung nicht spurlos vorüber, so dass er schließlich zu Jahresbeginn 1915 vorübergehend in die Heimat zurückgeschickt werden musste.
Vom Tag seiner Mobilmachung an führte Krüger Tagebuch, schrieb Feldpostkarten und Briefe. Aus diesem inzwischen zugänglich gemachten Konvolut werden hier die Aufzeichnungen des ersten Kriegsjahres – vom Augusterlebnis bis zur Ernüchterung und zum Übergang in den Stellungskrieg – erstmals kulturgeschichtlich untersucht, erläutert und ausgewertet.
INHALT
Der alte Kontinent am Scheideweg. Eine Einleitung (1)
TEIL I (3)
1. Die Gattung des Tagebuchs (5)
2. Historizität und Tagebuch (8)
3. Die Verschriftlichung der bürgerlichen Welt (11)
TEIL II (39)
1. Das Wilhelminische Reich und die Nervosität der Moderne (41)
1.1. Das Reich in der Mitte (41)
1.2. Herman Anders Krüger (60)
2. Die Feldpostkarten und die ersten Eindrücke von der Kriegsrealität (90)
2.1. Hoffnungen auf einen kurzen Krieg (90)
2.2. Erste Erfahrungen im Feindesland (102)
3. Die Erste Ypernschlacht und das Erstarren der Fronten (134)
3.1. Der Wettlauf zum Meer (134)
3.2. Die Flandernschlacht (148)
3.3. Der Stellungskampf (192)
Fazit (258)
Literaturverzeichnis (261)
Primär- und Sekundärliteratur zu Herman Anders Krüger (261)
Weitere Primärliteratur (262)
Sekundärliteratur (264)
Karten und Abbildungen (272)
Personenindex (280)