Im Frühjahr 1887 zeichnet Friedrich Nietzsche den folgenden Gedanken auf: „Dem Werden den Charakter des Seins aufzuprägen – das ist der höchste Wille zur Macht.“ Handelt es sich hierbei um eine, gar die grundlegende ontologische Einsicht des Philosophen, um die entscheidende Verhältnis-bestimmung zwischen Sein, Werden und Wille zur Macht? Welchen Status und Rang besitzt die Charakterlehre im Hinblick auf Sein und Werden, Denken und Realität, Wille zur Macht und Ewige Wiederkunft, Wert und Nihilismus? Es ist vielversprechend, den Aussagen der Notiz nachzugehen, ihrer Vorgeschichte, ihren Hintergründen, Voraussetzungen, Beziehungen und Konsequenzen, ihrem G ewicht und den Fragen, die sich aus ihnen ergeben.