Als Schliemann vor einhundertfünzig Jahren die Ruinen Trojas aufdeckte, hatte er für seine Zeit und bis in unsere Tage hinein den geschichtlichen Ursprung des homerischen Epos bestätigt. Daß die Wurzeln der Ilias und dementsprechend auch der anderen großen Epen indogermanischer Zunge in der Historie liegen, ist seitdem die fast allgemeine Überzeugung und die Grundlage des Forschens. Die vorliegende Arbeit macht zum erstenmal für ein indogermanisches Epos einen anderen Ursprung gewiß. Als Schlüssel für den Ablauf der Handlung wie für die Verteilung der Personen stellt sich der Rājasūya dar, eine der Formen der altindischen Königsweihe. Das geistige Anliegen, aus dem das Epos entsprang, war nicht das geschichtliche Interesse, der Wunsch, tatsächlich Geschehenes der Nachwelt zu überliefern, sondern die Ritualgnose, die Spekulation über den Sinn der Rituale und ihre Wirkung auf das Geschehen, das Bemühen um ihre wirklichkeitsgerechte, heilbringende Aus- und Umbildung. Diese Denkart, überall eine wichtige Phase in der Entwicklung des menschlichen Geistes, hat das Mahābhārata hervorgebracht - als ein episches Modell der altindischen Königsweihe, als ein kritisches Modell, das in dem mörderischen Ablauf des epischen Geschehens die Verderblichkeit dieser besonderen Form der Königsweihe bloßlegt.
Der Deutung stellt das Buch eine Inhaltsangabe des Mahābhārata voran, die zum ersten Mal im Bewußtsein hat, was an der Handlung im Sinne ihres Urhebers wesentlich war.