Der fast vergessene Bach: ohne solche Bücher sähe die Geschichte der Bach-Rezeption anders aus. Vieles, was das 19. Jahrhundert an Bach verehrt hat, ist durch diese Linse gegangen: die Tiefe, die Strenge, die Kunst der Fuge, die geistige Souveränität, die Abwehr des bloß Effektvollen. Forkel hat Bach nicht neu entdeckt, aber er hat entscheidend dazu beigetragen, wie Bach fortan gelesen, gelehrt und verehrt wurde.
Man muss dieses Buch also mit zwei Augen lesen. Mit dem einen als frühe, unentbehrliche Quelle. Mit dem anderen als Dokument seiner eigenen Zeit, ihrer Ideale, ihrer Vorurteile, ihrer Sehnsüchte. Wer absolute Nüchternheit sucht, wird an manchen Stellen stolpern. Wer aber verstehen will, wie aus dem Komponisten Johann Sebastian Bach die kulturelle Größe „Bach“ wurde, der ist hier genau richtig.
Oder kürzer: Dieses Buch erzählt nicht nur von Bach. Es erzählt auch davon, wie Europa um 1800 erst wieder lernen musste, ihn zu hören.
Und vielleicht sollten wir uns die Mühe machen, uns das intellektuelle Vergnügen bereiten, es Forkel gleichzutun und uns diese für Europa unerhört wichtige Epoche „neu zu erlesen“?! – Wohlan!