Die Geschichte der Philosophie ist kein Wunschkonzert. Wäre sie es, so verdienten die »Grundwahrheiten« von K.C.F. Krause einen Ehrenplatz im Kanon. Denn was Krause vor 200 Jahren schrieb, liest sich nicht wie ein Traktat aus der Vergangenheit, sondern wie ein Manifest für die Zukunft.
Dies gilt zunächst methodisch: Die von vielen geforderte Annäherung von analytischer und kontinentaler Philosophie ist hier bereits durchgeführt als Dialog analytischer und synthetischer Zugänge. Krause will seine spekulativen Konstruktionen an innerer Anschauung sowie äußerer Erfahrung messen und eine öffentlich mitvollziehbare und kritisierbare Philosophie anbieten. Zweitens gilt dies inhaltlich: Wo etliche Denker seiner Tage Mensch über Natur, Mann über Frau und Deutschland über alles stellten, trat Krause für die Schonung von Pflanzen, für Rechte der Tiere, für die Gleichberechtigung der Frauen und für eine post-koloniale Weltfriedensordnung ein. Und nicht zuletzt betrifft dies die Quellen: Krause schöpft aus dem Denken Chinas und Persiens ebenso wie aus der abendländischen Tradition. Um sich die Weisheitslehren Indiens anzueignen, lernte er etwa eigens Sanskrit. Entsprechend ausgewogen verortet er seine eigene Lehre: als kritisch zu überformenden Beitrag in einem weltweit fortlaufenden Dialog der Ideen. Eindringlich richtet sich Krauses Denken auf die Zukunft; es gehört darum unbedingt aufs Programm der Philosophie der Gegenwart.