Es ist schwer, sich heute vorzustellen, wie sehr die Bilder einst erstaunten. Wir leben in einer Welt, in der die Metamorphose der Insekten selbstverständlich ist, in der exotische Pflanzen alltäglich geworden sind. Doch damals, als die Kupferplatten frisch aus der Presse kamen, war jedes Blatt eine Offenbarung. Merians Tafeln waren Fenster. Sie öffneten den Blick auf eine Welt, die zugleich vertraut und fremd war: vertraut, weil Raupen und Falter auch in europäischen Gärten lebten; fremd, weil die tropischen Pflanzen und Tiere eine Ferne ins Zimmer holten, die zuvor nur in Erzählungen existierte. In diesem Zusammenklang von Nähe und Ferne lag die eigentliche Kraft der Bilder. Dieses Buch ist eine literarische Annäherung an das Leben und Werk von Maria Sibylla Merian, einer Pionierin der Naturwissenschaft. Die historischen Eckdaten – ihre Geburt in Frankfurt am Main, ihre Ausbildung im Umfeld der Familie Merian, ihre naturkundlichen Studien zu Raupen und Schmetterlingen, ihre Reise nach Surinam und die Veröffentlichung ihrer Werke – sind durch Quellen belegt.