Der Roman »Tolkemit« spielt 1975 in West-Berlin. Drei Studentinnen aus dem niedersächsischen Göttingen wollen in der geteilten Stadt den Abschluss ihres ersten Semesters feiern.
Doro, Grit und Rike kommen in einer Kreuzberger Studierenden-WG unter und treffen dort auf Nik Tolkemit, einen der Literatur verfallenen jungen Mann, der ihnen mit seinem Verhalten Rätsel aufgibt. Alle drei Frauen versuchen, die Schutzmauer dieses Einzelgängers zu durchbrechen, und jede macht dabei eigene, verstörende Erfahrungen. Am Abend vor ihrer Rückreise nach Göttingen verändert ein Zwischenfall die komplizierte Konstellation und führt zu einer überraschenden Entscheidung.
Gut entwickelte Figuren und lebensnahe Dialoge ziehen den Leser in die spannende, multiperspektivisch erzählte Geschichte und treiben die Handlung temporeich voran. Die drei Studentinnen erleben die Stadt im winterlich kalten Februar, hadern mit dem Wahnsinn der Mauer, erleben hautnah die politischen Spannungen und können kaum genug bekommen vom umfassenden kulturellen Angebot.
Die Leserinnen und Leser sitzen mit Doro, Grit und Rike in der U-Bahn, ziehen mit den Dreien um die Häuser und bekommen einen lebendigen Eindruck vom West-Berliner Alltag der 1970er-Jahre. Und wie die Studentinnen aus Göttingen fragen sie sich, was eigentlich los ist mit Tolkemit, diesem faszinierenden Typ in dieser irren Stadt. Ulli Huse bringt uns mit seinem genau beobachteten Roman die Stimmung des geteilten Berlin noch einmal ganz nah.