Der Stammvater der Hunsrücker Knochenflicker Pies aus dem Herzogtum Kleve diente als Regimentsfeldscherer während des Dreißigjährigen Krieges in pfalzgräflichen und kaiserlichen Truppen in Düsseldorf und Kaiserswerth. Sein außergewöhnliches Geschick vor allem in der Behandlung von Wunden, Knochenbrüchen und Verrenkungen brachte ihm schon zu Lebzeiten einen legendären Ruf ein. Revolutionierend war seine Methode, bei Knochenbrüchen einen besonderen, flexiblen Verband anzulegen und frühzeitig mit Bewegungsübungen zu beginnen, damit keine Versteifung der Gliedmaßen eintrat. Daher gilt er in der Medizingeschichte als Begründer der modernen Chiropraktik.
Diederich Pies hat seinen Söhnen das Knochenflickerhandwerk beigebracht — und diese wiederum haben die Kunst ihren Söhnen vermittelt und so weiter über 13 Generationen bis ins 20. Jahrhundert. Ihr Familienname ist in den deutschen Sprachschatz eingegangen: „Piesacken“ als Bezeichnung für „Schmerz zufügen“, denn das Reponieren von Knochenbrüchen und Verrenkungen ging für die Patienten nicht ohne Schmerzen ab. Noch heute gehen die Leute auf dem Hunsrück „zum Pies“ und lassen sich „piesen“ – wobei „der Pies“ zum Synonym für „Arzt“ geworden ist.