Musikalische Elementarerziehung (MEE) ist ein Handlungskonzept mit dem hauptsächlichen Ziel, soziales Verhalten zu entwickeln. Das klingt zunächst wohl verwunderlich, hat doch musikalische Erziehung im allgemeinen Bewußtsein die Entwicklung von musikalischen Fähig-und Fertigkeiten zum Gegenstand.
Schon zum Beginn unseres Jahrhunderts formulierte Heinrich Jacoby in Dresden-Hellerau die Absicht, Musik nicht allein als „schönes Objekt" zu vermitteln, sondern „Musik" als menschliche Handlung zu verstehen und wirksam werden zu lassen. Das Konzept der Musikalischen Elementarerziehung hat ein vergleichbares Anliegen.

Musik als Handlung ist als Paradigma so alt wie die Musik selbst. Das Bewußtsein dafür hat uns allerdings die Musikauffassung des 19. Jahrhunderts verfremdet, die mit der Entwicklung des „Konzerts" Musik zum Genußobjekt umfunktionierte. Insofern greifen wir mit dem Handlungsmodell nur uralte Funktionen der Musik wieder auf, die der Musik als Handlungsform menschlicher Lebensäußerung zutiefst verwurzelt sind. Musikalische Elementarerziehung ist zugleich auch eine kulturästhetische Reaktion auf die musikalische Ästhetik einer spätbürgerlichen „Gewichtsverschiebung" zu einer Musik für elitäre Kreise.
Der Ausbau der Musikalischen Elementarerziehung war von Anfang an eine Gruppenarbeit, so wie ihre Realisation sich in der Gruppe vollzieht.
(aus dem Vorwort von Christoph Schwabe)