Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) gewinnt auch in der Veterinärmedizin zunehmend an Bedeutung. Während in der Humanmedizin belegt werden konnte, dass Ausprägung verschiedener Persönlichkeitsmerkmale, insbesondere die Ausprägung der „negative Emotionalität“, die Wahrnehmung der Lebensqualität beeinflussen, ist der Einfluss in der Veterinärmedizin bisher bislang kaum erforscht. Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss der Besitzerpersönlichkeit auf die HRQoL von hyperthyreoten Katzen zu untersuchen. Darüber hinaus sollen weitere katzen- und besitzerbezogene Faktoren sowie die gewählte Therapiemethode und ihr Einfluss auf die HRQoL analysiert werden. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es vier verschiedene Therapieoptionen für die Hyperthyreose der Katze: medikamentöse Therapie mit Thyreostatika, die ausschließliche Fütterung einer jodreduzierten Diät, die Thyroidektomie und die Radiojodtherapie (RJT). Die RJT wird aktuell als Goldstandard der Therapie angesehen. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit war es, die Motivation, Erfahrungen und Zufriedenheit der Besitzer, die sich für eine RJT entschieden hatten, im Rahmen einer prospektiven Fragebogenstudie zu analysieren, sowie die Entwicklung der HRQoL vor und sechs Monate nach RJT zu evaluieren.
Es wurden zwei separate Fragebogenstudien durchgeführt. Die erste prospektive Studie wurde zwischen April 2023 und Februar 2024 durchgeführt und beinhaltete drei Fragebögen: HyperthyroidismQoL-Cat (zur Erfassung der HRQoL hyperthyreoter Katzen), Big Five Inventar 2 (zur Erfassung der verschiedenen Persönlichkeitsdomänen) und allgemeine Fragen zum soziodemographischen Hintergrund des Besitzers und zur Katze. Der Fragebogen wurde auf deutsch und englisch zur Verfügung gestellt. Insgesamt konnten 500 vollständige Datensätze analysiert werden.
Die multivariable Regressionsanalyse zeigte, dass insbesondere eine hohe negative Emotionalität, also die Neigung zu Angst, Sorgen und negativen Gefühlen, mit einer signifikant schlechteren Einschätzung der HRQoL der Katzen assoziiert war (p ≤ 0,01). Weitere Faktoren, die mit einer schlechteren HRQoL verbunden waren, waren Kinder unter 18 Jahren, die im gleichen Haushalt lebten (p = 0,04), eine Behandlung mit jodreduzierter Diät (p = 0,023), keine Therapie der Hyperthyreose (p = 0,03), sowie eine hyper- und hypothyreote Stoffwechsellage (p ≤ 0,04). Die RJT war mit einer signifikant besseren HRQoL assoziiert (p = 0,001), ebenso das Vorhandensein von Komorbiditäten (p ≤ 0,001).
Ergänzend dazu wurde in einer zweiten prospektiven Studie, die Motivation, die Sorgen sowie die Zufriedenheit von Besitzern im Zusammenhang mit der Entscheidung für eine RJT und die Auswirkung der RJT auf die HRQoL in den ersten sechs Monaten analysiert. Die Besitzer füllten zwei verschiedene Fragebögen aus, einen vor und einen sechs Monate nach RJT. Es konnten 78 Fragebögen zum Zeitpunkt vor der RJT und 68 Fragebögen zum Zeitpunkt sechs Monate nach der RJT analysiert werden. Die Hauptgründe, warum sich die Besitzer für eine RJT entschieden haben, waren, dass es der Goldstandard war (n = 27/78; 35 %) und Schwierigkeiten bei der Tabletteneingabe (n = 18/78; 23 %). Die meisten Besitzer wurden durch die Beratung durch ihren Haustierarzt (n = 50/78; 64 %) oder durch das Internet (n = 33/78; 42 %) auf die Möglichkeit der RJT an der Kleintierklinik der Justus-Liebig-Universität aufmerksam. Vor der RJT machten die Besitzer sich die größten Sorgen über den stationären Aufenthalt (median: 9; IQR: 7–10) und das Narkoserisiko (median: 7; IQR: 5–9). Die meisten Besitzer waren sowohl mit dem Ergebnis (median: 10; IQR: 8–10) als auch mit ihrer Entscheidung für die RJT (median: 10; IQR: 9–10) sehr zufrieden. Des Weiteren konnte bewiesen werden, dass sich die HRQoL der Katzen in den ersten sechs Monaten signifikant verbesserte (p ≤ 0,001). Außerdem konnte kein signifikanter Unterschied in der HRQoL zwischen euthyreoten und hypothyreoten Katzen nach RJT nachgewiesen werden (p = 0,609).

Im Rahmen dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass die Ausprägung der Persönlichkeitsdomäne „negative Emotionalität“ einen relevanten Einfluss auf die HRQoL von hyperthyreoten Katzen haben kann. Dieser Aspekt sollte bei der Interpretation der HRQoL Ergebnisse berücksichtigt werden. Darüber hinaus belegen die Ergebnisse, dass die RJT nicht nur aus medizinischer Sicht, sondern auch in Bezug auf die HRQoL als bevorzugte Therapieoption der Hyperthyreose der Katze anzusehen ist. Anhand der hier beschriebenen Ergebnisse kann die Beratung bezüglich der verschiedenen Therapieoptionen um den Aspekt der HRQoL und der Besitzererfahrungen ergänzt werden, um die Besitzer fundiert aufzuklären und die Entscheidungsfindung im klinischen Alltag zu unterstützen.