Paris, 17. März 1756. Marguerite Aubert, Hebamme, kommt an diesem Morgen von einer Geburt nach Hause und findet zwei Männer vor ihrer Tür. Kein Dokument, keine Erklärung – nur: Sie kommen mit. Das Tor der Salpêtrière schliesst sich hinter ihr. Ihr Mann hat eine Lettre de cachet erwirkt. Ein toter Zeuge hat unterschrieben. Eine Frau ist verschwunden.
Was Marguerite in der Anstalt vorfindet, ist nicht Wahnsinn, sondern System. Und was sie dagegensetzt, ist kein Aufschrei, sondern ein Protokoll: dreissig Namen, dreissig Geschichten, dreissig Fragen, die Antworten verlangen. Gemeinsam mit einer Adligen, die Gesetze zählt, einem Kind, das Buchstaben lernt, und einer Frau von draussen, die nicht aufhört zu kommen – entsteht ein Dokument, das die Mauern überleben soll.
Zazou Grenadier taucht tief in die beklemmende Welt derer ein, die von der Gesellschaft aussortiert und in den dunklen Winkeln institutioneller Gewalt vergessen wurden. Mit einer Sprache, die so scharf ist wie ein Skalpell, legt sie die Mechanismen der Entmenschlichung frei und zeichnet ein erschütterndes Porträt von Individuen, die gegen das Verstummen ankämpfen.