Am 7. April 1951 starb im Jüdischen Krankenhaus in Berlin der Musikwissenschaflter Dr. Georg Kinsky: 1882 im westpreußischen Marienwerder als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, eignete er sich - weil er durch einen Umzug der Eltern nach Berlin nicht mehr die Reifeprüfung ablegen konnte - autodidaktisch ein immenses Wissen auf den Gebieten der Musikwissenschaft und des Antiquariats, vor allem auf dem Gebiet der Autographen, an.

1909 übernahm er an dem vom Kölner Papiergroßhändler Wilhelm Heyer eingerichteten Musikhistorischen Museum eine Stelle als BIbliothekar und Kurator. Mit der Auflösung des Museums, das in den Anfangsjahren der Musikwissenschaft an der 1919 gegeründeten Kölner Universität als Fundus und Bibliothek diente, schwand zunehmend das Interesse der Universität an seiner Lehre. 1932 kam Ausscheiden Kinskys.

In den Schwierigkeiten der Weltwirtschaftskrise hielt er sich mit Katalogarbeiten für Berliner und Kölner Auktionshäuser über Wasser. Schützte ihn in den ersten Jahren des Nationalsozialismus seine 1927 mit einer katholischen Kölnerin eingegangene ‘Mischehe’ vor weitergehenden Verfolgungen, wurde er 1944 mit seiner Frau von der Gestapo aus der geworfen und im Herbst für wenige Wochen zur Zwangsarbeit nach Thüringen verschleppt. Krank entlassen, kam er mit seiner Frau in Berlin-Mahlsdorf unter. Hier baute er sich nach dem Verlust von Hab und Gut, insbesondere seiner zwangsweise Anfang 1944 verkauften Bibliothek, eine neue Existenz auf und nahm die um 1937 begonnene Bibliographie der vollendeten Werke Ludwig van Beethovens wieder auf, die nach seinem plötzlichen Tod durch den Münchener Bibliothekar Dr. Hans Halm vollendet und 1955 veröffentlicht wurde.

Kinskys 1977 der Universität zu Köln geschenkter Nachlass befindet sich heute im Historischen Archiv der Universität als Zugang 984. Die auf seiner Grundlage erarbeitete Biographie soll Kinsky und seinem Werk die lange vorenthaltene Gerechtigkeit widerfahren lassen.