Diese qualitativ-analytische Einzelfallstudie untersucht die institutionelle Entwicklung des Bevölkerungsschutzes auf Bundesebene – einer zunehmend bedeutsamen Säule der inneren Sicherheit. Im Mittelpunkt stehen die wechselhafte organisatorische Ausgestaltung der zuständigen Bundesverwaltung sowie die damit verbundenen Verwaltungs- und Organisationsreformen im Zeitraum von 1989 bis 2007. Auf Basis einer historisch angelegten Organisations- und Entscheidungsstudie wird aufgezeigt, dass sich die Institution des Bevölkerungsschutzes in einem Zustand der stabilen Fragilität befindet. Einerseits bewegt sich das deutsche Bevölkerungsschutzsystem – wesentlich bedingt durch die verfassungsrechtlich kodifizierte Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern – in einem stabilen Entwicklungskorridor, der fundamentalen Reformen entgegenwirkt. Andererseits sind in diesem institutionellen Arrangement dauerhafte Spannungen zwischen staatlichen Ebenen sowie Behördenkonkurrenzen angelegt, die regelmäßig zu konfliktreichen Reformdebatten führen. Im Untersuchungszeitraum erwiesen sich in diesen Debatten vor allem die Einflüsse von Fokusereignissen und des Zeitgeistes als ausschlaggebend für die jeweilige Reformrichtung. Die Studie leistet damit einen Beitrag zur Analyse institutioneller Reformprozesse im föderalen Staat und zeigt, wie Pfadabhängigkeiten, föderale Interessenlagen und die Folgen bürokratischer Politik die Entwicklung von Verwaltungsbehörden langfristig prägen.