Salvador Dalí schuf 1964-1965 den Zyklus Biblia sacra: 105 Gouachen in weniger als 18 Monaten. Faszinierend die Farbenpracht der Bilder, faszinierend, in welchem Tempo sich die Bilder aus seinem Inneren auf Papier gebracht wurden. Doch am beeindruckendsten ist die theologisch-religiöse Tiefe dieser Bilder, die von Dalí zugleich existentiell „durchlebt“ wurden. Bekannten biblischen Texten gewann Dalí neue Aspekte ab: Seine Bilder zur Geburt, Passion und Auferweckung Jesu beschreiten in vielem neue Wege. Er wagt sogar, den Moment der Auferweckung Jesu ins Bild zu setzen. Vielfältig sind die Themen, die Dalí beschäftigten: Liebevolle Charakterstudien zu Frauen in der Bibel, scharfe Kritik an denen, die in ihrem Machtrausch sein wollen wie Gott und sich dabei doch nur vom Bösen bestimmen lassen; vor allem aber geht es ihm um einen mitfühlenden und erlösenden Gott. Seine Bilder sind kraftvoll, dramatisch-spannend, hochsensibel, horizonterweiternd. Die Bilder der Biblia Sacra sind nichts weniger als ein Höhepunkt christlich-religiöser Kunst im 20. Jahrhundert