Der Alte Orient - einschließlich des alten Israel - wurde in der Rechtsgeschichte oft marginalisiert, während Griechenland und Rom nahezu exklusiv als Grundlagen des westlichen Rechts propagiert wurden. Die Rechtstraditionen Mesopotamiens, Ägyptens und Israels galten demgegenüber häufig als historische Kuriositäten und gerade nicht als wesentliche Mitgestalter der Entwicklung des Rechtsdenkens. Jüngste interdisziplinäre Forschungen drängen jedoch auf eine Neubewertung: Der antike Mittelmeerraum, insbesondere seine östlichen Regionen, sollte als fluider Kulturraum verstanden werden, in dem rechtliche, soziale und religiöse Ideen weit verbreitet waren. Durch die kulturelle Vergleichung und Gegenüberstellung mesopotamischer, ägyptischer und altisraelitischer Rechtstraditionen verdeutlichen die Beiträge dieses Bandes die Rolle dieser Kulturen bei der Prägung rechtlicher Konzepte und weisen nach, wo diese Rechtsideen über ihre ursprünglichen Kontexte hinaus Spuren hinterlassen haben. Der Befund unterstreicht, dass das Recht ein komplexes, multidimensionales Phänomen ist, das eng mit Ethik, Religion, Politik und sozialer Praxis verflochten ist. Die Beiträge des Bandes erweisen damit den bleibenden Wert der Erforschung von Rechtssystemen jenseits klassischer Paradigmen und hergebrachter Rahmenkonzepte.