Die Beiträge dieses Bandes beleuchten Dimensionen von Normativität Heiliger Schriften, die sich im Umgang mit der Schrift in der Praxis der monotheistischen Schriftreligionen zeigen. Gewissermaßen aus dem Blick auf die Praxis erheben sie, wie viel von der Wertschätzung und Gestaltungskraft Heiliger Schriften in dieser ablesbar ist. Dabei werden drei konkrete Praxisfelder untersucht: individuelle Schriftfrömmigkeit, liturgische Einbettungspraxis und gottesdienstliche Schriftauslegungspraxis. Zu Wort kommen Forschende aus Judentum, Christentum und Islam in gleichgewichtiger Aufteilung. Einbezogen werden evangelische, katholische, jüdisch liberale und orthodoxe sowie sunnitische, schiitische und griechisch-orthodoxe Perspektiven. Insgesamt ist der Band der Methode der Komparativen Theologie verpflichtet, sodass er 1) ein genaueres Verständnis der jeweiligen religiösen Praxis gewinnen und damit die jeweiligen Religionen in ihrem Selbstverständnis besser verstehen und angemessen darstellen will; 2) im Gespräch mit den anderen Religionen Impulse für eine erneuerte Wahrnehmung und mögliche Veränderung der Praxis der eigenen Religion zu erhalten trachtet, und schließlich 3) im interreligiösen Vergleich das Verständnis von Normativität und Orientierungskraft Heiliger Schriften vertiefen möchte. Zu diesem Zweck findet sich am Ende des Bandes eine kurze Auswertung, die diese drei Dimensionen explizit adressiert. Sie finden sich aber auch in den Einzelbeiträgen immer wieder reflektiert.