Am 26. März 1933 äußert sich der Niederstettener ev. Pfarrer Hermann Umfrid (1892-1934) in einer Predigt zu der tags zuvor am Ort stattgefundenen „Polizeiaktion“, bei der mehrere Juden schwer mißhandelt worden sind. Ein Satz aus seiner Predigt wird immer wieder gern zitiert: „Was gestern in dieser Stadt geschah, das war nicht recht.“ Daraufhin haben ihn die Nazis (welche eigentlich?) in den Tod getrieben, so die allgemeine Darstellung. Ein Märtyrer also, einer der frühesten im „Dritten Reich“. Was aber war genau passiert? Aktenstudium in mehreren deutschen Archiven ergeben ein durchaus differenzierteres Bild bis hin zur Frage: Hat Umfrid Selbstmord begangen oder wurde er – umgebracht? Ein Opfer der Euthanasie? Die vorliegende Dokumentation geht allen Spuren penibel nach und vermittelt nicht nur ein Bild einer interessanten Persönlichkeit, sondern zeigt auch durch die darüber hinausgehenden Dokumente die Desiderate einer Aufarbeitung der Niederstettener Nazizeit auf.