Hans Winterbergs Quintett entstand 1981/82 an seinem letzten Wohnsitz im bayerischen Steppberg aus Anlass eines Kompositionswettbewerbs des Ostdeutschen Kulturrats. Bis zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Erstausgabe wurde es zwar für eine CD-Produktion eingespielt, ertönte aber noch nicht live im Konzert. Winterberg schließt mit diesem Werk, dem er auf einem der beiden Manuskripte den poetischen Titel „Cyclame“ gab, sein an unterschiedlichsten Besetzungen reiches Kammermusikschaffen, das 1935, in seiner Prager Zeit, mit dem Quintett für Violine, 2 Klarinetten, Horn und Klavier fulminant begonnen hatte. Eine gewisse Altersmilde kennzeichnen die ersten beiden, vorwiegend lyrischen Sätze, die sich durch eine große Delikatesse auf rhythmisch-metrischer Ebene auszeichnen. Der letzte Satz entführt uns mit seiner musikantischen Verve noch einmal zu Winterbergs Ursprüngen in der böhmisch-mährischen Folklore, die neben der durch Zemlinsky vermittelten Schule Schönbergs zu den wichtigsten Impulsen seines Schaffens gehörte. Winterberg überlebte als einziger bedeutender tschechischer Komponist jüdischer Abstammung die Shoah. In seinem Nachkriegs-Oeuvre konnte er die faszinierende, durch Nazi-Deutschland brutal zerstörte deutsch-tschechische Kultursymbiose kompositorisch fortführen – von der internationalen Musikwelt unbeachtet. Es ist an der Zeit, diesen wunderbaren, lange vor uns verborgenen musikalischen Schatz zu neuem Leben zu erwecken.
Schwierigkeitsgrad: 4-5