Die großen Steine des Waldviertels, scheinbar willkürlich in die Landschaft geworfen, moosüberwachsen oder kahl und seltsam gegliedert. Mächtig erscheinende und dabei labile Wackelsteine, Felsgebilde von statischer Wucht, anrührend grazil oder wunderbar monströs, haben immer schon die Einbildungskraft der Menschen gefordert, die in diesen vielfältigen Gestalten Figuren, Menschen, Tiere wohl aber auch übersinnliches, Unheimliches, Himmlisches oder Teuflisches zu erkennen glaubten. Zahllos sind die Teufelsmauern und Hexensteine. Ungemein stärker aber wirken diese zeitlosen Riesen durch ihre ruhige Kraft, durch ihre erhabene Stille, und gerade hier fällt es leichter, als anderswo, Gedanken sammeln, sie aufblühen zu lassen, staunend Schöpferisches entstehen zu fühlen, es wachsend zu erleben, in neuer, ungeahnter Intensität und Komplexität.
Steine sind verdichtete Vergangenheit. Sie entstanden Äonen vor unserem Leben. Vor Jahrtausenden, vor Jahrmillionen und wurden für uns zum Symbol der Zeitlosigkeit, zum absoluten Gegenbild unserer eigenen Welt von Wachsen und Vergehen.
Seit vielen Jahren beschäftigt sich Gerhard Trumler mit den Steinen «seines» Waldviertels. Er sieht sie mit dem lebendigen «inneren Auge» seiner Phantasie, als anthropomorphe Wesen, die aus den Nebeln des uralten geheimnisvollen Dämmerns in den Wäldern des Waldviertels auftauchen. Doch er sieht sie auch mit den wachen Augen des Bildkünstlers, und sogleich verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Imagination, zwischen Natur und Kunst, denn erst diese Photographien von Gerhard Trumler machen möglich, was nur im Angesicht des Wesentlichen geschehen kann: Das bescheidene Zurückweichen des «Ich» vor etwas Größerem, und gerade dies bedeutet ein Zeichen der Demut vor der Ewigkeit.