Bruno Liebrucks war einer der profundesten Denker des 20. Jahrhunderts. In seinem Hauptwerk »Sprache und Bewußtsein« geht er zunächst der Frage nach, wie das Denken selbst zu denken ist, und macht mit Platon, Kant und Hegel drei Revolutionen der Denkart aus. In dieses Nachdenken der Revolutionen, das im Durchgang durch die europäische Geistesgeschichte und in ihrer Auslegung erfolgt, webt er seine Philosophie ein, die keine Sprachphilosophie ist, sondern von der Sprache her kommt und immer in ihr bleibt. Er beantwortet damit zugleich die Frage, wie Sprache und Bewusstsein zu denken sind, ohne dass dafür Voraussetzungen gemacht und angenommen werden müssen, sondern wie diese Voraussetzungen des Denkens innerhalb des Logischen und jene der Sprache innersprachlich eingeholt werden können.

Der Autor erschließt das faszinierende Denken von Bruno Liebrucks systematisch, würdigt dessen Gesamtwerk auch im Detail und zeichnet so eine innere Einheit der intellektuellen Biographie des deutschen Philosophen auch in Abgrenzung zu sprachphilosophischen Standardmodellen nach, insbesondere seit dem sogenannten »linguistic turn«. Er zeigt, dass Liebrucks' paraphrastische Methode nicht bloß als Kommentar zu Klassikern der europäischen Geistesgeschichte zu verstehen ist, sondern als sprachlich-logisch transparente Genese des eigenen Denkens.