Mit impressionistischem Blick zeichnet Mychajlo Kozjubynskyj Menschen zwischen Traum und Alltag und führt mit seinen Erzählungen von den Karpaten bis zur Krym.

Mychajlo Kozjubynskyj gilt als einer der großen, aber weitgehend Unbekannten der europäischen Moderne. Seine Novellen und Erzählungen führen in die Karpaten und auf die Krym, in eine Welt, die zwischen Jahrhundertwende und Umbruch schwebt. Mit impressionistischer Genauigkeit zeichnet er Menschen in ihrem Alltag, eingebunden in Gemeinschaften, geprägt von Kulturen, getrieben von Erwartungen und Träumen. Kein Detail entgeht ihm – weder das Licht auf einem Berghang noch der Geruch in einem Kaffeehaus, kein Derwischtanz und kein verschwiegener Blick entzieht sich ihm.
In den Krym-Novellen schildert Kozjubynskyj das Leben der Krymtataren, das er während seiner Tätigkeit als Verwaltungsbeamter in der Region beobachten konnte. In den Karpaten begegnete er dem Bergvolk der Huzulen, deren Legenden und soziale Praktiken er in dem Roman »Schatten der vergessenen Ahnen« verewigte – einem Werk, das Sergei Paradschanow zu einem grandiosen Film inspirierte, der im deutschsprachigen Raum auch unter dem Titel »Feuerpferde« bekannt wurde.
Kozjubynskyj schrieb sein Leben lang gegen die Zeit: aufgerieben zwischen künstlerischem Drang und der Pflicht, den Lebensunterhalt für seine Familie zu sichern. Was er hinterließ, ist von einer sinnlichen Dichte, die ihresgleichen sucht.