Die Ruhrbesetzung von 1923 bis 1925 gehörte bislang zu den vergessenen Epochen der Gladbecker Geschichte. Damals dominierten zeitweilig über 3.500 belgische Soldaten das Alltagsgeschehen der Stadt. Ihr Ziel war die Kontrolle über alle fünf Gladbecker Zechenanlagen, um Belgien die Lieferung von Steinkohle als Reparationsleistungen gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages zu sichern.
Diese zweieinhalb Jahre Fremdherrschaft, begleitet von passivem Widerstand, wirtschaftlicher Not, Demütigungen und vielfältiger Gewalt hatten sich auf lange Zeit in das kollektive Gedächtnis der Menschen eingebrannt. Dennoch fand das Geschehen bisher kaum Eingang in die Gladbecker Geschichtsschreibung.
Im zweiten Band von Der Ruhrkrieg in Gladbeck präsentiert der Gladbecker Priester und Kirchenhistoriker Ralph Eberhard Brachthäuser die Aufzeichnungen eines Mannes, der vom ersten bis zum letzten Tag der Besetzung an vorderster Stelle Zeuge des Geschehens war. Stadtsekretär Wagner hatte im Auftrag von Oberbürgermeister Jovy die Rolle des Dolmetschers zwischen der Stadtverwaltung und den französisch-belgischen Militärbehörden übernommen. Er hatte nahezu unbeschränkten Zugang zu deren Kommandantur. Gestützt auf eigene Aufzeichnungen und die Akten des Besatzungsamtes verfaßte er per Hand eine fast 400 Seiten starke Chronik, die hier erstmals veröffentlicht wird.
Diese beiden Bände sind eine unverzichtbare Quellensammlung für alle, die sich mit der Geschichte der Stadt Gladbeck beschäftigen.