Duns Scotus’ Text stellt einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte dar: Diskutierte man bis ins 13. Jh., ob die von Aristoteles anvisierte Fundamentalphilosophie von Gott oder von den Substanzen handelt, so stellt Scotus die kritische Frage nach den Begriffen, die aller Erkenntnis vorausliegen. Damit wird Metaphysik zur Transzendentalwissenschaft – ein Projekt, das noch Kants Vernunftkritik beeinflusst. Scotus fragt nach den Erkenntnisbedingungen der ersten Prinzipien und ob »seiend« ein univoker Begriff ist. So leitet er den radikalen Umschwung des metaphysischen Denkens ein.